Durchaus, es gibt die Notwendigkeit der Darstellung, denn es gibt das Sehen. Mein Auge nimmt einen Gegenstand wahr und durchdringt ihn, doch das Bild wird so gefiltert, wie es meine anerzogene Übereinkunft erzwingt. Im Alltag ist das selektive Sehen eine nützliche Angelegenheit, aber es beschneidet die Vielfältigkeit einer möglichen Wahrnehmung auf ein Minimum. Gut, das ist notwendig, um bei Grün über die Straße zu gehen. Doch das Mysterium ist allgegenwärtig, unentflechtbar verwoben mit dem Gegenstand und es ist so, daß ich eigentlich darstellen will, was nicht darzustellen ist. Jede Wand, jedes Weinglas, jede Fliege ist eingebunden im Wesen vom Gegenstand, Benennbarem und Unbenennbarem, Erkennbarem und Unerkennbarem. Es muß also der Kunstgriff gelingen, etwas so zu inszenieren, das es uns erklärtermaßen als Mysterium gegenübertritt. So ist das Geheimnis. Eine Anstrengung, gleich Sysiphus, der Stein kommt niemals oben an, aber allein das Rollen ist wie ein abgeschossener Pfeil, eine Richtung, die auf etwas Anderes verweist. Und solange ich den Stein in seiner Ordnung anerkenne, muß ich ihn rollen, aber gerade diese Ordnung erlaubt es auch, von einem Geheimnis zu reden, sind es doch die zwei Pole, aus deren Wechselspiel sich überhaupt erst das jeweils Andere erkennen läßt.
Eine Site mit Arbeiten von Ralph Kull